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Unterschiedliche Lebensverläufe nach schwierigen Erlebnissen in Kindheit und Jugend

 

Das Psychologische Institut der Universität Zürich führt eine Studie durch über die langfristigen Folgen von schwierigen Erlebnissen in Kindheit und Jugend bei einer Gruppe gefährdeter älterer Menschen, die in ihrer Kindheit oder ihrer Jugend in einem Heim oder anderweitig von den Behörden fremdplatziert waren.

Projektbeschrieb (laufendes Forschungsprojekt)

Unser Projekt umfasst drei miteinander gekoppelte Studien. Die erste, eine internationale Studie, wird die Ergebnisse unserer kürzlich durchgeführten Studie über ehemalige Verdingkinder mit Studiendaten über ehemalig in Irland institutionalisierte Kinder vergleichen. Die Hauptstudie, eine longitudinale Studie, wird sich mit einer Kohorte Schweizer mittleren und höheren Alters befassen, die von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen in ihrer Kindheit und / oder Jugend betroffen waren. Diese Studie wird die Folgen auf die weiteren Lebensverläufe der Studienteilnehmer, auf ihre mentale und körperliche Gesundheit im Verlaufe der Zeit und die damit verbundenen Vulnerabilitäts- und Resilienzfaktoren untersuchen. Die dritte Studie, eine deskriptive Studie, wird sich mit Heimpersonal und Pflegefamilien befassen, die an der Fürsorge und Pflege dieser Personen beteiligt waren.

Hintergrund

Obwohl fürsorgerische Praktiken bezwecken, ein beschützendes Umfeld zu gewährleisten, entwickeln sie sich allzu oft zu möglichen Auslösern von schwierigen Erlebnissen in Kindheit und Jugend. Dies traf insbesondere im letzten Jahrhundert zu, als diese Praktiken besonders schlecht überwacht wurden. Aktuelle Forschungsergebnisse suggerieren eine langfristige Verschlechterung des Gesundheitszustandes als Folge von schwierigen Erlebnissen in Kindheit und Jugend. Allerdings entwickeln nicht alle Betroffenen Psychopathologien oder erkranken. Einige überstehen das Erlebte relativ unversehrt und andere erstarken dadurch psychologisch.

Ziel

Es ist von äusserster Wichtigkeit, diese interindividuelle Variabilität der Reaktionen auf schwierige Erlebnisse in Kindheit und Jugend und ihre Folgen für den späteren Lebensverlauf zu verstehen. Ein übergreifendes Ziel des Projektes liegt darin, die massgeblichen Faktoren und die zugrundeliegenden Mechanismen von schwierigen Erlebnissen in Kindheit und Jugend aufgrund ergriffener fürsorgerischer Massnahmen zu identifizieren und zu verstehen, inwiefern sich schlechte Auswirkungen und Verläufe von besseren und allenfalls positiven Ergebnissen und Lebensverläufen unbeeinträchtigter (resilienter) Betroffener unterscheiden.

Bedeutung

Wissen darüber, wie schwierige Erlebnisse in Kindheit und Jugend im späteren Leben zu gesundheitlichen Problemen führen können, wie die Betroffenen sich anpassen und wie ihre Leben verlaufen ist zentral, da dadurch direkte Therapiemassnahmen ergriffen werden können. Zudem birgt solches Wissen auch das Potential, zukünftige Politik wie auch die fürsorgerische Praxis bei Kindern und Jugendlichen positiv zu beeinflussen.

Originaltitel

Differential aging trajectories in high-risk individuals with past experiences of early adversity

Projektverantwortliche

  • Dr. Myriam V. Thoma, Psychologisches Institut, Universität Zürich (Projektleiterin)
  • Prof. Dr. Dr. Andreas Maercker, Psychologisches Institut, Universität Zürich (Projektleiter)
  • Prof. Dr. Alan Carr, University College Dublin, Irland (Projektpartner)
  • Prof. Dr. Gerard Leavey, Ulster University, Northern Irland (Projektpartner)

 

 

Weitere Informationen zu diesem Inhalt

 Kontakt

Dr. Myriam V. Thoma Psychologisches Institut
Universität Zürich
Binzmühlestrasse 14
Box 17
8050 Zürich +41 44 635 73 06 m.thoma@psychologie.uzh.ch